Schöffe werden in Deutschland: Eine Anleitung

20 Minuten Lesezeit

In der deutschen Strafrechtspflege spielt der Schöffe eine zentrale Rolle. Als ehrenamtlicher Richter bringen Bürgerinnen und Bürger ihre Lebenserfahrung direkt in die Rechtsprechung ein. Dieses Amt ist kein gewöhnliches Ehrenamt – es trägt echte Verantwortung und echtes Gewicht.

Das Schöffenamt erstreckt sich über eine Amtsperiode von fünf Jahren. Sie beginnt jeweils am 1. Januar nach der Wahl. Wer sich für diesen Weg interessiert, findet in der Anleitung zur Schöffenwahl einen guten Einstieg mit elf klar beschriebenen Schritten.

Die Deutsche Vereinigung der Schöffinnen und Schöffen, Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V., unterstützt Interessierte und Amtsträger mit der Zeitschrift „Richter ohne Robe“ und zahlreichen Fortbildungen. Der Landesverband betreut neben Nordrhein-Westfalen auch Mitglieder in Rheinland-Pfalz und im Saarland.

In diesem Beitrag erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie ehrenamtlicher Richter werden können, welche Voraussetzungen gelten und was das Schöffenamt im Alltag bedeutet.

Was ist ein Schöffe?

Ein Schöffe ist ein ehrenamtlicher Laienrichter, der an Strafverfahren mitwirkt. Diese Bürgerinnen und Bürger bringen die Perspektive der Gesellschaft in die Rechtsprechung ein. Ihre Aufgabe ist es, gemeinsam mit Berufsrichtern über Schuld und Strafe zu entscheiden.

Definition und Aufgaben eines Schöffen

Am Schöffengericht nehmen zwei ehrenamtliche Richter neben einem Berufsrichter an der Hauptverhandlung teil. Sie haben das gleiche Stimmrecht wie der vorsitzende Richter. Ein Urteil erfordert eine Zweidrittelmehrheit aller Richter. Das bedeutet: Gegen die Stimmen beider Schöffen kann kein Angeklagter verurteilt werden.

Zu den wesentlichen Aufgaben gehören:

  • Teilnahme an der gesamten Hauptverhandlung
  • Bewertung von Beweisen und Zeugenaussagen
  • Mitwirkung bei der Urteilsfindung
  • Gleichberechtigte Abstimmung über Schuld und Strafmaß

Wenn Sie einen Strafbefehl erhalten haben, kann Ihr Fall unter Umständen vor einem Schöffengericht verhandelt werden.

Unterschiede zu Berufsrichtern

Der zentrale Unterschied liegt in der Ausbildung. Ein Berufsrichter hat ein juristisches Studium und ein Referendariat absolviert. Ein Laienrichter bringt stattdessen Lebenserfahrung und den gesunden Menschenverstand ein.

MerkmalSchöffe (Laienrichter)Berufsrichter
AusbildungKeine juristische Ausbildung nötigJurastudium und Referendariat
Amtszeit5 Jahre (ehrenamtlich)Hauptberuflich, auf Lebenszeit
StimmrechtGleichberechtigt in der HauptverhandlungGleichberechtigt in der Hauptverhandlung
VergütungAufwandsentschädigungBeamtenbesoldung
EinsatzbereichNur Strafsachen am SchöffengerichtAlle Rechtsgebiete

„Die Schöffen üben das Richteramt in vollem Umfang und mit gleichem Stimmrecht wie die Berufsrichter aus.“ – § 30 Abs. 1 GVG

Trotz dieser Unterschiede tragen Schöffen die gleiche Verantwortung gegenüber Angeklagten, Geschädigten und der Öffentlichkeit. Welche Voraussetzungen Sie für dieses Amt erfüllen müssen, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

Die Rolle der Schöffen im deutschen Rechtssystem

Schöffen sind weit mehr als stille Beisitzer im Gerichtssaal. Sie tragen aktiv zur Urteilsfindung bei und bringen die Perspektive der Bevölkerung in das Strafverfahren ein. Das Grundgesetz betont in Artikel 20, Absatz 2, dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht. Schöffen setzen diesen Grundsatz in der Praxis um.

Schöffen im Strafverfahren am Amtsgericht und Landgericht

Bedeutung für die Rechtsprechung

Schöffen besitzen bei der Urteilsfindung das gleiche Stimmrecht wie Berufsrichter. Am Amtsgericht entscheiden zwei Schöffen gemeinsam mit einem Berufsrichter. Am Landgericht sitzen je nach Kammergröße bis zu drei Berufsrichter neben zwei Schöffen.

Für eine Verurteilung ist stets eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig. Das bedeutet: Kein Angeklagter kann gegen die Stimmen beider Schöffen verurteilt werden. Diese Regelung schützt die Rechte der Bürgerinnen und Bürger im Strafverfahren.

GerichtBerufsrichterSchöffenNötige Mehrheit
Amtsgericht (Schöffengericht)122 von 3 Stimmen
Landgericht (Kleine Strafkammer)122 von 3 Stimmen
Landgericht (Große Strafkammer)324 von 5 Stimmen

Mitwirkung an Gerichtsverfahren

Schöffen wirken sowohl in allgemeinen Strafsachen gegen Erwachsene als auch in Jugendstrafsachen mit. Sie dürfen Zeugen und Sachverständige direkt befragen. Der vorsitzende Richter kann lediglich ungeeignete Fragen zurückweisen.

Wie die Bundeszentrale für politische Bildung erläutert, sollen Schöffen eine lebensnahe und verständliche Justiz gewährleisten. Ihre Auswahl ist eine kommunale Angelegenheit. Die Gemeinden achten darauf, alle Geschlechter, Altersklassen und Berufsgruppen angemessen abzubilden.

Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus – Schöffen machen dieses Prinzip am Amtsgericht und Landgericht im Strafverfahren greifbar.

Nach den Voraussetzungen für das Amt, die im nächsten Abschnitt beschrieben werden, können Sie besser einschätzen, ob das Schöffenamt für Sie infrage kommt.

Siehe auch  Rechtliche Fallen für Touristen im Ausland

Voraussetzungen für die Auswahl als Schöffe

Nicht jede Person kann ein ehrenamtlicher Richter werden. Der Gesetzgeber hat klare Kriterien festgelegt, die Bewerberinnen und Bewerber bei der Schöffenwahl erfüllen müssen. Diese Voraussetzungen stellen sicher, dass nur geeignete Personen über Schuld und Unschuld anderer Menschen mitentscheiden.

Alter und Staatsangehörigkeit

Wer sich für das Schöffenamt interessiert, muss zu Beginn der Amtsperiode mindestens 25 Jahre alt sein. Die Obergrenze liegt bei 69 Jahren. Die deutsche Staatsangehörigkeit ist zwingend erforderlich. Der Wohnsitz muss in der Gemeinde liegen, die Sie für die Vorschlagsliste nominiert.

Vorstrafen und Eignungskriterien

Personen mit bestimmten Vorstrafen sind vom Amt ausgeschlossen. Wer zu einer Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt wurde, kann kein ehrenamtlicher Richter werden. Gleiches gilt für Personen, gegen die ein Ermittlungsverfahren wegen einer schweren Straftat läuft.

Für Jugendschöffen gelten besondere Anforderungen. Sie sollten erzieherische Erfahrung mitbringen und in der Jugendarbeit bewandert sein. Die Arbeit an Jugendgerichten erfordert ein besonderes Einfühlungsvermögen.

KriteriumAllgemeine SchöffenJugendschöffen
Mindestalter25 Jahre25 Jahre
Höchstalter69 Jahre69 Jahre
StaatsangehörigkeitDeutschDeutsch
Vorstrafen (über 6 Monate)AusschlussAusschluss
Erzieherische BefähigungNicht erforderlichErforderlich
Erfahrung in JugendarbeitNicht erforderlichErwünscht

Wer das Amt eines Schöffen übernimmt, trägt Verantwortung für das Schicksal anderer Menschen – eine Aufgabe, die persönliche Reife und Gewissenhaftigkeit voraussetzt.

Bewerberinnen und Bewerber sollten sich dieser Verantwortung vor der Schöffenwahl bewusst sein. Die Eignung wird im Rahmen des Auswahlprozesses sorgfältig geprüft.

Der Auswahlprozess für Schöffen

Der Weg zum Schöffenamt folgt einem klar geregelten Verfahren. Jede Gemeinde spielt dabei eine zentrale Rolle. Von der Erstellung der Vorschlagsliste bis zur endgültigen Wahl durch den Schöffenwahlausschuss gibt es mehrere Schritte, die Sie kennen sollten.

Auswahlprozess Schöffen Gemeinde Vorschlagsliste

Nominierung durch die Gemeinden

Der Gemeinderat erstellt eine Vorschlagsliste für Schöffen in allgemeinen Strafsachen. Für Jugendschöffen übernimmt der Jugendhilfeausschuss diese Aufgabe. Beide Listen müssen mindestens doppelt so viele Bewerber enthalten, wie Schöffen tatsächlich benötigt werden.

In vielen Fällen berücksichtigt die Gemeinde bevorzugt Vorschläge von Parteien, Gewerkschaften, Kirchen oder Vereinen. Eigeninitiative ist trotzdem möglich. Sie können sich direkt bei Ihrer Gemeinde bewerben. Die Vorschlagsliste wird nach Fertigstellung für eine Woche öffentlich ausgehängt, damit Bürgerinnen und Bürger Einspruch erheben können.

Auswahlverfahren und Auswahlgremium

Über die endgültige Besetzung entscheidet der Schöffenwahlausschuss am zuständigen Amtsgericht. Diesem Gremium gehören sieben kommunale Vertrauenspersonen an, ein Amtsrichter und ein Verwaltungsbeamter.

Bewerber dürfen ein Mitglied des Schöffenwahlausschuss auf ihre Kandidatur aufmerksam machen. Für die Wahl ist eine Zweidrittelmehrheit nötig.

SchrittZuständiges GremiumAufgabe
1. BewerbungGemeinde / JugendhilfeausschussAufnahme in die Vorschlagsliste
2. Öffentliche AuslegungGemeindeEinwohner können Einsprüche einreichen
3. Endgültige WahlSchöffenwahlausschussAuswahl mit Zweidrittelmehrheit
4. BerufungAmtsgerichtOffizielle Ernennung für fünf Jahre

Wer Schöffe werden möchte, sollte sich frühzeitig bei seiner Gemeinde informieren – die Fristen für die Vorschlagsliste sind streng geregelt.

Rechte und Pflichten eines Schöffen

Wer als Schöffe berufen wird, übernimmt eine verantwortungsvolle Aufgabe. Dieses Ehrenamt bringt klar definierte Rechte und Pflichten mit sich. Schöffen wirken in der Hauptverhandlung gleichberechtigt neben Berufsrichtern mit. Sie tragen die gleiche Verantwortung bei der Urteilsfindung – von der Schuldfrage bis zur Strafzumessung.

Schöffe bei der Hauptverhandlung im Gerichtssaal

Teilnahme an Verhandlungen

Hauptschöffen erhalten in der Regel im November oder Dezember eine Benachrichtigung über ihre Wahl. Gleichzeitig werden die voraussichtlichen Sitzungstage für das kommende Jahr mitgeteilt. Ersatzschöffen bekommen eine separate Nachricht über ihre Berufung.

Während der Hauptverhandlung stehen Schöffen dieselben Rechte wie Berufsrichtern zu. Dazu gehört das Fragerecht: Schöffen dürfen Angeklagten, Zeugen und Sachverständigen eigene Fragen stellen. Unentschuldigtes Fernbleiben kann ein Ordnungsgeld nach sich ziehen. Der Leitfaden des hessischen Justizministeriums erläutert diese Pflichten im Detail.

Mitbestimmung und Entscheidungsfindung

Ein zentrales Element ist das Stimmrecht der Schöffen. Bei der Beratung im Richterzimmer zählt die Stimme eines Schöffen genauso viel wie die eines Berufsrichters. Für eine Verurteilung ist eine Zweidrittelmehrheit nötig.

„Schöffinnen und Schöffen sind an Recht und Gesetz gebunden und dürfen nicht willkürlich beeinflusst werden.“

Folgende ethische Grundsätze gelten für die Beratung und Abstimmung:

  • Unabhängigkeit – keine Weisungen von außen annehmen
  • Unvoreingenommenheit – ohne Vorurteile an jeden Fall herantreten
  • Verantwortung – Entscheidungen gewissenhaft und auf Grundlage der Beweislage treffen
Siehe auch  Eid vor Gericht: Prozessablauf und Bedeutung
RechtBeschreibung
StimmrechtGleiches Stimmgewicht wie Berufsrichter bei Schuld und Strafe
FragerechtEigene Fragen an Zeugen, Sachverständige und Angeklagte
BeratungVollständige Teilnahme an der geheimen Urteilsberatung
AkteneinsichtZugang zu verfahrensrelevanten Unterlagen während der Sitzung

Ergänzungsschöffen nehmen an der Hauptverhandlung teil, dürfen an der Beratung aber erst mitwirken, wenn ein Hauptschöffe ausfällt. So bleibt die ordnungsgemäße Besetzung des Gerichts stets gewährleistet.

Die Kosten und Aufwandsentschädigungen

Wer als Schöffe tätig wird, investiert Zeit und Engagement in die Rechtsprechung. Das Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetz (JVEG) regelt, welche Aufwandsentschädigung Schöffen für ihren Einsatz erhalten. Die Vergütung setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen – von der Entschädigung für Zeitversäumnis bis zur Kostenerstattung für Reisen.

Finanzielle Entschädigung nach dem JVEG

Das JVEG sieht eine klare Staffelung der Vergütung vor. Schöffen erhalten eine Entschädigung für Zeitversäumnis von 5 Euro pro Stunde. Bei Verdienstausfall kann die Aufwandsentschädigung auf bis zu 20 Euro pro Stunde steigen. In besonders zeitintensiven Verfahren sind sogar bis zu 39 Euro pro Stunde möglich.

EntschädigungsartBetrag pro StundeSteuerliche Behandlung
Zeitversäumnis5 EuroSteuerpflichtig
Verdienstausfall (Regelfall)bis 20 EuroSteuerpflichtig
Verdienstausfall (zeitintensiv)bis 39 EuroSteuerpflichtig
Reisekostenerstattungnach AufwandSteuerfrei

Wichtig: Das Finanzamt stuft die Vergütung als Einkünfte aus selbstständiger Arbeit ein (§§ 2 Abs. 1 Nr. 3, 18 EStG). Laut einem Urteil des FG Baden-Württemberg vom 10.02 müssen Schöffen ihre Aufwandsentschädigung versteuern. Eine Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 12 EStG greift nicht.

Erstattung der Fahrt- und Reisekosten

Die Kostenerstattung für Reisen bildet eine Ausnahme bei der Besteuerung. Fahrtkosten zum Gericht werden vollständig erstattet und bleiben steuerfrei. Dazu zählen:

  • Fahrtkosten mit öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Kilometerpauschale bei Nutzung des eigenen PKW
  • Parkgebühren und Übernachtungskosten bei weiter entfernten Gerichten

Mögliche Schwierigkeiten mit dem Arbeitgeber bezüglich der Freistellung lassen sich in speziellen Informationsveranstaltungen klären. Die Rechte und Pflichten aus dem vorherigen Abschnitt bilden die Grundlage für diese finanzielle Regelung – und die Fortbildungsangebote im nächsten Abschnitt helfen, offene Fragen zu beantworten.

Fortbildung und Schulung für Schöffen

Wer das Schöffenamt antritt, steht vor einer verantwortungsvollen Aufgabe. Eine gezielte Fortbildung bereitet Sie auf die Anforderungen im Gerichtssaal vor. Neben der finanziellen Entschädigung, die im vorherigen Abschnitt erläutert wurde, ist die fachliche Vorbereitung ein zentraler Baustein für Ihre erfolgreiche Tätigkeit.

Seminare und Informationsveranstaltungen

An den Gerichten finden in der Regel einführende Unterweisungen für neue Schöffen statt. Ergänzend dazu bieten Volkshochschulen und Kooperationspartner der Deutschen Vereinigung der Schöffinnen und Schöffen (DVS) seit Januar 2024 spezielle Fortbildungen an.

In Nordrhein-Westfalen arbeiten der Landesverband der Volkshochschulen und der DVS-Landesverband eng zusammen. Jede Informationsveranstaltung dort richtet sich an Ehrenamtliche, die ihre Kenntnisse vertiefen möchten. Einrichtungen wie die Bischöfliche Akademie des Bistums Aachen und das Willi-Eichler-Bildungswerk Köln haben sich dieser Kooperation angeschlossen.

„Das Schöffenamt lebt von gut vorbereiteten Bürgerinnen und Bürgern, die ihre Rechte und Pflichten kennen.“

Wichtige Aspekte der fachlichen Vorbereitung

Die Schulung für Schöffen deckt ein breites Themenspektrum ab. Sie lernen Ihre Mitwirkungs- und Gestaltungsmöglichkeiten im Gerichtsverfahren kennen. Besondere Kriminalitätsformen werden ebenfalls behandelt.

ThemenbereichInhalte der SchulungAnbieter
Grundlagen des StrafrechtsAufbau einer Hauptverhandlung, BeweisaufnahmeGerichte (Einführungsveranstaltung)
MitwirkungsrechteFragerecht, Beratung, AbstimmungsverfahrenVolkshochschulen / DVS
Besondere KriminalitätsformenCyberkriminalität, Jugendkriminalität, häusliche GewaltBischöfliche Akademie Aachen
Kommunikation im GerichtUmgang mit Angeklagten, Zeugen und SachverständigenWilli-Eichler-Bildungswerk Köln

Nutzen Sie diese Angebote, um sich bestmöglich auf Ihr Ehrenamt vorzubereiten. Eine solide Informationsveranstaltung stärkt Ihr Selbstvertrauen – und damit Ihre Wirkung im Gerichtssaal. Im nächsten Abschnitt erfahren Sie, welche persönliche Motivation hinter dem Engagement als Schöffe steckt.

Engagieren sich als Schöffe: Motivation und Verantwortung

Wer das Schöffenamt übernimmt, trifft eine bewusste Entscheidung für die Gesellschaft. Dieses Ehrenamt geht weit über eine bloße Pflicht hinaus. Es ist ein Ausdruck gelebter Demokratie und bürgerschaftlicher Verantwortung. Doch was genau bewegt Menschen dazu, sich als Schöffe zu engagieren?

Siehe auch  Beglaubigte Übersetzung erklärt

Einfluss auf die Gemeinschaft und das Rechtsbewusstsein

Schöffen bringen die Perspektive der Gesellschaft direkt in den Gerichtssaal. Sie sorgen dafür, dass Urteile nicht nur juristisch korrekt, sondern für die Bürgerinnen und Bürger nachvollziehbar sind. Die Deutsche Vereinigung der Schöffinnen und Schöffen (DVS) betont, dass dieses Ehrenamt das Vertrauen der Bevölkerung in die Justiz stärkt.

Wer sich über die Grundlagen und steuerliche Aspekte ehrenamtlicher Tätigkeit informieren möchte, findet zahlreiche hilfreiche Quellen. Die DVS organisiert Fortbildungen und fördert den Erfahrungsaustausch zwischen aktiven Schöffinnen und Schöffen.

Persönliche Erfahrungen und Gewinn

Das Schöffenamt bringt vielfältige persönliche Bereicherungen mit sich. Die Verantwortung, über das Schicksal anderer Menschen mitzuentscheiden, verändert den Blick auf das eigene Umfeld.

  • Tieferes Verständnis für das deutsche Rechtssystem
  • Stärkung sozialer Kompetenz und Urteilsfähigkeit
  • Einblicke in unterschiedliche Lebenswirklichkeiten
  • Aktiver Beitrag zur Gesellschaft und Demokratie

„Das Schöffenamt ist eines der wichtigsten Ehrenämter in unserem Staat. Es ermöglicht Bürgerinnen und Bürgern, unmittelbar an der Rechtsprechung teilzuhaben.“ – Deutsche Vereinigung der Schöffinnen und Schöffen

Viele Schöffen berichten, dass die persönliche Weiterentwicklung ein entscheidender Gewinn ist. Das Ehrenamt schärft das Bewusstsein für Gerechtigkeit und gesellschaftliche Zusammenhänge. Wer sich für diese Verantwortung entscheidet, profitiert nicht nur selbst – die gesamte Gesellschaft gewinnt.

Schöffe in der Praxis: Ein typischer Tag

Wie sieht der Alltag eines Schöffen aus? Der Einsatz am Gericht bringt spannende Einblicke in das Rechtssystem. Je nach Einsatzort und Fallkomplexität unterscheidet sich der Tagesablauf erheblich. Zwischen einem kurzen Verfahren am Amtsgericht und einem Umfangsverfahren am Landgericht liegen oft Welten.

Ablauf einer Hauptverhandlung

Ein typisches Gerichtsverfahren beginnt für Schöffen mit dem Eintreffen am Gericht – meist etwa 30 Minuten vor Verhandlungsbeginn. Die Hauptverhandlung folgt einem festen Schema:

  1. Aufruf der Sache und Feststellung der Anwesenheit
  2. Verlesung der Anklageschrift durch die Staatsanwaltschaft
  3. Vernehmung des Angeklagten
  4. Beweisaufnahme mit Zeugen und Sachverständigen
  5. Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung
  6. Beratung und Urteilsverkündung

Am Amtsgericht dauert eine Hauptverhandlung oft nur wenige Stunden. Wer als Arbeitnehmer oder Unternehmer eines kleinen Betriebs tätig ist, kann seine Bereitschaft gezielt für das Amtsgericht bekunden. Der Schöffenwahlausschuss kann solche Wünsche berücksichtigen – eine Garantie gibt es dafür nicht.

Herausforderungen und besondere Fälle

Am Landgericht besteht das Risiko, in ein Umfangsverfahren eingeteilt zu werden. Solche Verfahren erstrecken sich über Wochen oder Monate. Für Berufstätige stellt das eine erhebliche Belastung dar. Gerade bei Wirtschaftsstrafsachen oder komplexen Straftaten ist die Verhandlungsdauer schwer vorhersehbar.

MerkmalAmtsgerichtLandgericht
Typische Verhandlungsdauer1–4 StundenMehrere Tage bis Monate
Risiko eines UmfangsverfahrensGeringHoch
Anzahl der Schöffen pro Sitzung22
Anzahl der Berufsrichter12–3

„Das Schöffenamt ist ein Ehrenamt, das tiefe Einblicke in die Gesellschaft gewährt – es fordert Aufmerksamkeit, Empathie und Urteilskraft.“

Jedes Gerichtsverfahren bringt neue Perspektiven. Schöffen erleben unmittelbar, wie Recht gesprochen wird – und tragen aktiv zur gerechten Entscheidungsfindung bei.

Ausblick auf die Zukunft des Schöffenamtes in Deutschland

Das Schöffenamt steht vor spannenden Veränderungen. Das deutsche Rechtssystem entwickelt sich stetig weiter. Für alle, die sich für dieses Ehrenamt interessieren, lohnt sich ein Blick auf kommende Reformen und neue Möglichkeiten der Beteiligung.

Reformen und Entwicklungen im Rechtssystem

Die Digitalisierung verändert das Rechtssystem in Deutschland grundlegend. Gerichtsverfahren werden zunehmend durch elektronische Aktenführung und digitale Kommunikation unterstützt. Für das Schöffenamt bedeutet das: Die Vorbereitung auf Verhandlungen wird in Zukunft einfacher und transparenter. Die Politik diskutiert regelmäßig über Anpassungen der Rahmenbedingungen, um das Ehrenamt attraktiver zu gestalten.

Perspektiven für angehende Schöffen

Die aktuelle Amtszeit begann 2024 und läuft über fünf Jahre. Wer sich für die nächste Periode bewerben möchte, kann das Bewerbungsformular auf der Webseite www.schoeffenwahl2023.de nutzen. Dort finden Sie Pflichtangaben und freiwillige Felder, in denen Sie Ihre Bewerbung begründen können. Die Verwendung Ihrer Daten im Wahlverfahren erfolgt nur mit Ihrem Einverständnis. Sollten Sie bis Mitte Dezember keine Rückmeldung erhalten, wurden Sie nicht ausgewählt.

Das Schöffenamt bleibt ein wichtiger Baustein der demokratischen Rechtsprechung. Engagierte Bürgerinnen und Bürger tragen mit ihrer Teilnahme aktiv zur Zukunft eines gerechten Rechtssystems bei. Informieren Sie sich frühzeitig über die Voraussetzungen und nutzen Sie die Chance, Verantwortung in der Justiz zu übernehmen.

Teile den Artikel
Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert